Konversationsunterricht: 3 Ideen, Hürden und Umsetzungstipps

Konversationsunterricht

Für Einsteiger Sprachlehrer ist es enorm wichtig, dass sie so schnell wie möglich mit dem praktischen Unterricht beginnen. Zum einen, um die Angst zu verlieren und zum anderen, um schnell Praxiserfahrung zu sammeln.

Fremdsprachenlerner sind eine sehr dankbare Kundengruppe. Viele von ihnen können sich in der Fremdsprache unterhalten, aber ihnen fehlt die Übung.

Ein Muttersprachler hat einen großen Vorteil: Deine Muttersprache ist ein Gut, für das viele Sprachschüler gerne bezahlen. Für Quereinsteiger ist das eine perfekte Voraussetzung, um sofort mit dem Unterricht loslegen.

In diesem Artikel zeige ich dir, wie du den Konversationsunterricht praktisch umsetzt, welche Herausforderungen auf dich zukommen und wie du sie meisterst.

3 Ideen für den Konversationsunterricht

Jeder Lehrer gestaltet seinen Konversationsunterricht anders. Die praktische Umsetzung hängt ein wenig vom Lernziel ab. Diese drei Ideen geben dir ein Grundgerüst:

Idee 1: Texte lesen und besprechen

Fortgeschrittene Lerner haben das Ziel, ihren Wortschatz zu erweitern und den Ausdruck zu verbessern. Sie möchten sich über verschiedene Themen frei unterhalten können.

Mit dem fortgeschrittenen Lerner kannst du Artikel und Texte lesen und sie anschließend besprechen.

Der Text wird entsprechend des Niveaus und Interesses des Lerners ausgewählt. Ein Jugendlicher hat andere Interessen als ein Erwachsener.

Ideen für Texte:

Umsetzung:

  1. Der Text wird zu Hause gelesen
  2. Gib deinem Schüler ca. drei Aufgaben zum Text, z.B.:
  • Lese den Text
  • Unterstreiche alle neuen Wörter
  • Textarbeit

Als dritte Aufgabe kannst du zum Beispiel drei Textstellen auswählen. Der Lerner hat die Aufgabe, die ausgewählten Textpassagen anders auszudrücken, z.B.

  • Satz in einen Infinitiv-zu Satz umwandeln oder
  • Aus drei Sätzen, einen Satz machen oder
  • alle Konjunktivsätze unterstreichen oder ähnliches.
  1. Im Unterricht wird der Text besprochen

Das Ziel des Unterrichts ist, dass dein Schüler den Wortschatz aus dem Text im Gespräch benutzt.

  • Er sollte den Textinhalt zusammenfassen
  • Er könnte drei neue Begriffe nennen und ihre Bedeutung erklären
  • Du kannst weitere konkrete Fragen zum Text stellen

Idee 2: Slogans und Überschriften interpretieren

In der Vergangenheit hatte ich das Vergnügen bei anderen Lehrern zuzuschauen. Was mir am meisten gefallen hast, ist der Konversationsunterricht mit Slogans und Überschriften.

Der Lehrer schneidet einen Slogan aus einer Zeitung aus und klebt diesen auf ein Blatt Papier (schöner fürs Auge).

Im Unterricht äußert sich der Schüler dazu,

  • was er über den Titel denkt
  • was der Titel bedeuten könnte
  • wann der Titel angewendet werden könnte
  • wer mit diesem Titel gewisse Probleme haben könnte

Je kontroverser der Titel/Slogan, desto interessanter die Gespräche.

Der Slogan kann kontrovers, lustig oder skurril sein.

Idee 3: Interaktive mediale Inhalte

Für dieses Unterrichtsformat brauchst einen Laptop, Computer oder ein Smartphone. Ein Thema muss nicht immer durch einen Text eingeführt werden. Du kannst dich mit deinem Schüler über mediale Inhalte unterhalten.

Beispiel: Wohnen – Städte und Orte

Schaut euch gemeinsam einen Ort über Google Earth an. Der Lerner hat die Aufgabe, herauszufinden, wo in dieser Stadt er am liebsten wohnen wollte. Die Frage: Was macht deinen perfekten Wohnort aus? Finde ihn in dieser Stadt.

Der Lerner erzählt dir, was seine Auswahl beeinflussen würde. Braucht er einen Supermarkt um die Ecke, den Bus, die U-Bahn, einen Park, das Fitnessstudio? Warum braucht er das? Welche Anforderungen müssen für seine Familie erfüllt sein?

Hürden im Konversationsunterricht

Der Konversationsunterricht bringt wirklich Spaß. Man kann sich thematisch voll ausleben und lernt die Schüler besser kennen. Die Atmosphäre ist meist sehr locker und angenehm.

Allerdings birgt dieses Unterrichtsformat einige Hürden:

  • du musst ständig für neue Themen sorgen
  • das Unterrichtskonzept sollte im Voraus gut vorbereitet sein
  • du musst sehr kommunikativ sein bzw. den Schüler dazu animieren viel zu sprechen
  • die Themen wechseln sehr schnell – man könnte den Lernfokus aus dem Sinn verlieren
  • die wenigsten Schüler erledigen ihre Hausaufgaben

Obwohl es einige Hürden gibt, überwiegen meiner Meinung nach die Vorzüge.

Habe trotzdem immer einen vorbereiteten Unterricht parat. Für den Fall, dass dein Schüler unvorbereitet in den Unterricht kommt oder sehr wenig spricht, eignet sich der interaktive mediale Unterricht ganz gut. Im Deutschunterricht kannst du ab und zu die Videofilme der Deutschen Welle anmachen. Zu den Videos gibt es sogar vorgegebene Aufgaben.

Fazit

Der Konversationsunterricht ist eine der einfachsten Methoden, um schnell Schüler zu gewinnen, gute Empfehlungen zu bekommen und ohne Vorkenntnisse direkt durchzustarten.

Auch interessant: Wie du reagieren kannst, wenn Grammatik-Fragen auftauchen, auf die du keine Antwort hast.

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